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  Mit Liebe zur Natur, technisch versiert und im Stone-washed Look: Die modernen Gärtner

Die 17-jährige Lena ist Gärtner-Auszubildende aus Überzeugung. Sie ist vom elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb vorgeprägt, ihr hat die Arbeit in und mit der Natur immer Spaß gemacht. Ihre Vorliebe gilt den Zierpflanzen. Die einwöchige Berufsorientierung an Realschulen (BORS) hat sie zwar in einer Apotheke abgeleistet, während der 10. Klasse sich dann aber direkt beim Gartenbaubetrieb Umbach um einen Ausbildungsplatz als Gärtnerin beworben. Nach einigen Tagen Probearbeiten hatte sie ihren Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Auch Tamara hat einen Realschulabschluss gemacht und wollte von vornherein keinen „Sitzberuf“, wie sie sich ausdrückt. Beim Besuch einer Ausbildungsmesse hat sie den Beruf des Landschaftsgärtners entdeckt. Das 5-tägige Praktikum in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb war für die zierliche Tamara dann körperlich doch zu anstrengend. Aber sie wollte gerne in der grünen Branche bleiben. Über Schnupperpraktikas in anderen Betrieben, unter anderem der Wilhelma in Stuttgart, wußte sie dann endgültig, was sie gerne machen wollte: Eine Ausbildung zur Gärtnerin in der Fachrichtung Zierpflanzenbau. Nach dem Bewerbungsgespräch und dem obligatorischen Probearbeiten hat sie zum 1. September ihre Gärtner-Ausbildung bei Umbach in Heilbronn begonnen.

Lena und Tamara haben heute einen Arbeitsauftrag erhalten. Sie sollen Thunbergien zu Deutsch "Schwarzäugige Susanne" vermehren. 60 Kisten mit insgesamt 3000 Thunbergien in 3 verschidenen Farben. 12 Kisten in der Farbe Apricot, 24 Kisten in Gelb und 24 Kisten in Orange.
Kopfrechnen ist gefragt, da der Kundenauftrag nur als Prozentangabe gegeben wurde.

Die beiden Gärtner-Azubis entnehmen die Stecklinge von Blumensäulen, an denen die Thunbergien hochranken. Dabei muss darauf geachtet werden, an der Pflanze die Ranken in der richtigen Farbe zu entnehmen, weil es oft vorkommt, dass an den Pflanzensäulen unterschiedliche Farben ranken. Die kleinen Pflänzchen, die dann anschließend im Quickpot gepflanzt werden, sollen ja später auch in der vom Kunden gewünschten Farbe erblühen.

Mit einer kleinen Schere werden die Stecklinge bündelweise von der Blumensäule entnommen. Durch Abschneiden überflüssiger Blätter und Blüten wird ein sogenannter Teiltriebsteckling erstellt. Die Mädchen müssen darauf achten, dass sie die Blüten etwa einen Zentimeter unterhalb des Knotens abschneiden. Der Knoten ist der Bereich, in dem die Neubildung von Zellen stattfindet – in diesem Fall von Wurzeln. Weswegen der Knoten mit in den Boden gesteckt wird.

Außerdem muss darauf geachtet werden, dass der Steckling noch mindestens zwei Blätter hat und später auch richtig herum eingesetzt wird, also mit den Blatttrieben nach oben. Die so erstellten Stecklinge werden vorerst in einem Korb mit feuchtem Zeitungspapier gesammelt. Ist der Korb voll, begibt sich Tamara zu der mit Folie geschützten Vermehrungsplatte, wo schon ausreichend mit Pflanzenerde befüllte Quickpots vorbereitet sind. Hier muss dann ebenso sorgfältig wie schnell gearbeitet werden, da sonst zuviel Wärme unter der Folie verloren geht. Die kleinen Pflänzchen brauchen Wärme, Stecklinge verhalten sich eben wie Säuglinge. Kurz in Pflanzenwuchspulver eingetaucht, werden die Stecklinge dann in jeweils ein „Töpfchenfeld“ gesteckt, und zwar genau bis zum Knotenpunkt. Und wackeln dürfen sie auch nicht. Es ist wohl einleuchtend, dass die Arbeit der Stecklingsvermehrung insgesamt, obwohl sie für einen Aussenstehenden einfach erscheint, dauerhafte Konzentration erfordert. Wie peinlich, wenn in einem orangefarbenen Feld schöner schwarzäugiger Susannen dann Monate später immer wieder gelbe und apricotfarbene Pflanzen zu sehen sind.

Klaus Umbach, Inhaber des Gärtnerei-Betriebes Umbach, zeichnet ein modernes Bild des Gärtners, und zwar ohne grüne Schürze und Strohhut. Ein Gärtner heutzutage muss mit moderner Kulturtechnik ebenso wie mit Gewächshaus-Computern umgehen können. Und das im Umfeld von lebendigen Pflanzen. Bei der Topfpflanzenproduktion erfolgt die Klimasteuerung über Computer. So wird für die Pflanzen eine optimale Klimaqualität hergestellt, bei gleichzeitig minimalem Arbeitsaufwand und optimiertem Energieeinsatz. Der Mensch alleine kann diese optimalen Bedingungen gar nicht konstant herstellen.

Die technische Ausstattung der Gärtnerei ist sehr modern. Und mit 25.000 qm Kulturfläche, davon ca. 15.000 qm Glas-, Folien- und Schattenhallen gilt der Betrieb als mittelständisches Unternehmen. Umbach hat sich auf Topfpflanzen und Topfstauden spezialisiert. Der Verkauf erfolgt über Landgard-Abholmärkte, den Blumengroßhandel und Gartencenter, ebenso wird Rohware an Endverkaufsbetriebe geliefert. Und mit Dicksonia antarktica, einer australischen Baumfarn-Art besetzt Klaus Umbach eine Marktnische.

Baumfarne sind urtümliche Pflanzen und wachsen seit mindestens 300 Millionen Jahren auf unserem Planet. Sie hatten schon damals Wälder gebildet, die jedoch grundsätzlich anders ausgesehen haben als heute. Baumfarnwälder waren im Karbon auch in Deutschland weit verbreitet und bildeten unsere Steinkohle. Wir finden sie heute fossil in den Kohlen, und die Versteinerungen belegen, dass sie damals schon genauso ausgesehen haben. Baumfarne gehören demnach zu den lebenden Fossilien.

Der Gartenbaubetrieb Umbach bildet im Verhältnis zur Anzahl der Mitarbeiter überproportional Lehrlinge zum Gärtner aus. Denn im Bereich Grün werden in der Zukunft Fachleute fehlen. Stadtgrün, Grün im Wohnraum, Grün als Nahrungsmittel, Grün im Hobbygarten oder auf Balkonen. Grün ist keine Ursprungslandschaft mehr, das Grün muss erschaffen und kultiviert sein. Dazu braucht es gute Gärtner-Fachkräfte, Menschen also, die einen „grünen Daumen“ haben, wie es in der Gärtnersprache heißt.

Klaus Umbach möchte auch gerne junge Menschen mit Abitur oder einem guten Realschulabschluss motivieren, sich für eine Ausbildung zum Gärtner zu interessieren. Die Karrierechancen sind vielseitig wie der Beruf selbst. Neben der klassischen Aufstiegsfortbildung zum Gärtnermeister oder staatlich geprüften Agrarbetriebswirt gibt es aufgrund der Vielseitigkeit der grünen Branche auch Fortbildungsberufe in Spezialbereichen. Nach entsprechenden Lehrgängen kann man zum Beispiel als Baumpfleger, Greenkeeper oder Natur- und Landschaftspfleger spezielle Aufgaben übernehmen. Gärtner mit Hochschulzugangsberechtigung können im Studiengang Gartenbau oder Landschaftsarchitektur einen Bachelor- oder Master-Abschluss erwerben. Oder wer denkt beim Beruf Gärtner schon an ein mögliches Tätigkeitsfeld Fachlehrer, Fachjournalist oder Entwicklungshelfer? Vieles ist möglich.

Aber man kann als Junggärtner auch die zahlreichen Angebote zur Anpassungsfortbildung nutzen. Allein die zentrale Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg/Hessen bietet jährlich über 200 Fortbildungsmaßnahmen an.

Die Gespräche mit Herrn Umbach und mit Lena und Tamara können im Originalton gehört werden. Die Audiodaten sind im MP3-Format abgespeichert.


Lena, Tamara und die Schwarze Susanne (1)
Lena, Tamara und die Schwarze Susanne (2)


Ohne grüne Schürze und Strohhut



Wir bedanken uns beim Ausbildungsbetrieb



Gärtnerei Umbach
Klinge 2 / Staufenberger Weg
74074 Heilbronn

www.gaertnerei-umbach.de

Ausbildungsangebote und mehr Informationen über den Ausbildungsberuf Gärtner/in:
Baden-Württembergischer Gärtnereiverband e. V. Hier findet man auch eine Ausbildungsplatzbörse und eine aktuelle Liste der anerkannten Ausbildungsbetriebe in Baden-Württemberg.

Eine weitere gute Informationsseite zum Ausbildungsberuf Gärtner ist die Webseite des Zentralverband Gartenbau e.V. Hier findet man vertiefende Informationen über die Berufsausbildung im deutschen Gartenbau. Besonders gut werden hier die sieben Fachrichtungen, die die Vielfalt der Gärtner-Ausbildung abbilden, erklärt.
Gärtner - ein Beruf voller Leben